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Reportage
von Heinz Hebeisen :
Salta - die Wüste lebt (Nordargentinien) Tagsüber flirrende Hitze, nachts eisige Kälte. Und mitten in der Prärie eine traumhafte Oase für önogastronomische Luxustouristen.
Unser weisser Corolla rattert über den Schutt der legendären Route 40, die Argentinien von Norden nach Süden fast komplett durchquert, pulverfeiner Staub dringt selbst durch die kleinste Ritze. Ein paar Stunden ist es schon her, seit wir die Stadt Salta hinter uns gelassen haben, zuerst ging es steil hinauf bis Piedra del Molino, dann immer geradeaus durch den Nationalpark Cardones bis Cachi, einen Ort am Fuss des Nevado de Cachi, eines schneebedeckten Bergriesen von 6380 Metern Höhe. Eine Schafherde zwingt uns, das Tempo von 20 Stundenkilometern auf Schritttempo zu verringern, die Strasse gleicht jetzt einem Flussbett. David, unser Fremdenführer, schiebt «Bad Moon Rising» von Creedence Clearwater Revival ins Kassettendeck und dreht die Lautstärke voll auf, fast läuft uns eine Träne des Glücks über die Wange, so verheissungsvoll ist die Stimmung. Wir sind am Ende der Welt und am Anfang einer unvergesslichen Weinreise. In Molinos biegen wir von der grossspurig so genannten Nationalstrasse 40 auf die Route 53 ab. Kurz hinter einer Vicuña-Zucht – diese Lama-Rasse gibt die weichste, wärmste Wolle – bescheidet uns ein Schild: «Auf den nächsten 21 Kilometern durchqueren Sie die organische Farm Bodega Colomé», und bittet um Respekt für die Natur. Das Rütteln geht weiter, der Staub ebenso, und der Creedence-Sound konkurriert mit dem Lärm der abgenutzten Stossdämpfer. Der Weg scheint unendlich – aber mit einem Mal machen wir in der Ferne einen grünen Klecks aus. Wir glauben erst an ein Trugbild, doch als wir näher kommen, verwandelt er sich in eine echte Oase.
Der höchste Rebberg der Welt Dies ist das Reich von Donald Hess, einem reichen Schweizer, der hier 1999 nach Besitztümern in Kalifornien, Südafrika und Australien sein viertes Weingut kaufte. Die Bodega Colomé ist die älteste Kellerei des Landes, gegründet 1831 vom letzten spanischen Gouverneur der Provinz Salta. Auf seiner ersten Argentinienreise probierte Donald Hess Wein von Colomé und wusste gleich: «Ein Rohdiamant!» Die grössere der beiden Hess-Fincas liegt in Payogasta, rund zwei Stunden von Colomé entfernt. 2,2 Hektar der Gesamtfläche (25000 Hektar) liegen auf 3015 Metern über Meereshöhe. Damit hat der Schweizer den höchsten Rebberg der Welt gepflanzt. In der Bodega Colomé, dem zweiten Hess-Besitz, befinden sich alte Reben (viele haben 150 Jahre auf dem Buckel) einträchtig neben Neuanpflanzungen, was sich in niedrigen Erträgen und Beeren von enormer Konzentration äussert. Trockene Böden, warme Tage und sehr kalte Nächte gibt es, die ultraviolette Strahlung färbt die Trauben tiefdunkel. Im Colomé Reserva, einem Rotwein von den allerältesten Reben des Guts, schmecken wir den ganzen Charakter dieser rauen Gegend. Wir setzen unseren Weg fort, immer am Río Angastaco entlang, auf der Linken begleitet uns die Sierra de Apacheta. Beim Dorf Angastaco kommen wir an einem weiteren Weinberg vorbei und erblicken mit Staunen die zugehörige Bodega: Die Familie Merluza erbaute sie in Form von Iglus. Wir überqueren die Quebrada de las Flechas, eine Schlucht von wilder Schönheit mit tiefen Falten aus buntem Sandstein. Disteln säumen unseren Weg.
Risikolose Weine Etwa acht Kilometer von Cafayate entfernt ragt der zum Dorf San Pedro de Yacochuya gehörende Weinberg aus der Landschaft. Die Reben bedecken die sonnigen Berghänge und wurzeln in einem feuchten Untergrund. So kann die Traube all ihre Tugenden ausdrücken. Hier produziert der Winzer Arnaldo Etchart zusammen mit Michel Rolland – dem französischen Flying Winemaker, den man auch «Monsieur Merlot» nennt – Weine für den internationalen Geschmack, perfekt in der Herstellung und attraktiv im Design. Sie alle haben den Rolland-Touch, der gefällt, aber nicht begeistert. Vielleicht weil er jedes Risiko meidet, was viele Winzer ja leider als Segnung ansehen. Überrascht sind wir vom Torrontés, der in San Pedro de Yacochuya wächst. Schwindel erregt dieser Weisswein mit 13 Grad Alkohol, so wie die Höhen, in denen er wächst. Wird er mit moderner Technik vinifiziert, gehört er zu den grossen Weissen der Welt: engelsgleiche Seele, jungfräulich weisse Farbe, ein Parfüm von Rosen, weissem Pfirsich, Honig und Gewürzen. Im Mund ist er lang, komplex, intensiv, mit unentzifferbaren Aromen, kraftvoll und sanft zugleich. Die besten Torrontés keltert María Isabel Mijares, eine spanische Önologin, die seit Jahrzehnten auf dem südamerikanischen Kontinent ihre Lehre verbreitet. Ein Pflichtbesuch ist die Bodega Etchart, eine der ältesten des Landes, die in der Provinz Salta 300 Hektar relativ junger Reben besitzt, durch Überschwemmung bewässert, wie in der Gegend üblich. Sie gehört zur französischen Pernod-Ricard-Gruppe, die die Balance zwischen Technologie und Tradition, Quantität (fast sieben Millionen Flaschen) und Qualität gut meistert. Önologe José Luis Mounier hat mit der Linie Etchart Gran Reserva und dem Arnaldo B. französisch angehauchte Weine grosser Ausdruckskraft geschaffen. Der renommierte Betrieb Michel Torino, entstanden 1892, liegt auf 1683 Metern Höhe in Cafayate. Auf der lockeren, durchlässigen, sandig-kargen Erde kann jede Rebsorte ihr charakteristisches Aroma entwickeln. Das beste Beispiel ist der Altimus, gekeltert aus handverlesenen Malbec-, Syrah- und Cabernet-Sauvignon-Trauben und zwölf Monate in Eichenfässern aus neuem französischem Holz gereift. Mit einer Produktion von lediglich 10000 Flaschen ist er das Flaggschiff der Bodega.
Wein im Cornet Ein paar Weine von kleinen Herstellern kosten wir noch: In vielen Dörfern der Provinz Salta wachsen Tropfen, die nur auf dem lokalen Markt verkauft werden. Und dann ist es auch schon Zeit. Unter der brennenden Sonne machen wir uns auf den Rückweg. Unterwegs erregt plötzlich ein Schild unsere Aufmerksamkeit: «Helados Miranda» verkündet es, und es preist Eis von Torrontés und Cabernet an. Das wollen wir probieren. Sein Schöpfer, Yuyo Montes, erzählt uns, er habe drei Jahre an der Rezeptur gefeilt. Erfrischend kühl schmilzt das cremige Speiseeis im Mund, am Gaumen eine unauslöschliche Erinnerung an wunderbaren Wein hinterlassend.
Salta In der nordargentinischen Provinz Salta wächst weniger als ein halbes Prozent des argentinischen Weins. In den einheimischen Betrieben ist die Qualität gut, noch besser aber dort, wo ausländische Experten ihr Wissen und ihre Ideen einbringen. In den nächsten Jahren dürften hier eine Reihe interessanter Gewächse entstehen. Das Weinbauzentrum ist Cafayate, die wichtigste – und beste – Rebsorte die weisse Torrontés.
Luxuriöses Landleben Die Bodega Colomé, das Landgut des Schweizers Donald Hess, ist eine Welt für sich. 240 Kilometer von Salta (vier Stunden) auf 2300 Metern im Tal von Calchaquí gelegen, beherbergt es 300 Personen. Es verfügt über ein Gemeindezentrum mit einem kleinen Laden, eine Kirche, einen Lehmofen, einen Versammlungs- und Festsaal und ein Wasserreservoir für die Energieerzeugung. Reisende kommen im zugehörigen Landhotel unter, einem luxuriösen Ort der Ruhe, regiert von der St. Gallerin Beatrice Moeckli. Neben den zwei Suiten und sieben Juniorsuiten gibt es eine Bibliothek, einen Internetraum, ein Solarium und sogar einen Meditationsraum. Hervorragende Küche unter der Leitung des jungen Kochs Gonzalo Doxandabarat. Estancia Colomé Ruta Provincial 53, km 20 RA-4419 Molinos (Provincia de Salta) Tel./Fax: +54-(0)3868-49 40 44 estancia@bodegacolome.com www.bodegacolome.com Juniorsuite 145 US-Dollar Mastersuite 210 US-Dollar
Der Club les Étoiles geniesst seit langen Jahren Gastrecht bei VINUM. In der Mitgliedschaft dieses Weinclubs ist ein VINUM-Abonnement inbegriffen. Im Gegenzug äussern sich unsere Autoren sechsmal im Jahr frei und unabhängig zu einem vom Club gewählten Inhalt – heute zum nördlichen Teil Argentiniens. Clubmitglieder erhalten dieses Mal ein Probierpaket vom Weingut Familia Cassone. Mehr Informationen über den Club les Étoiles finden Sie unter www.winestar.com.
Strasse Nummer 40 (Ruta 40): Schild an der Ruta 40
Estancia Colomé; Molinos: Die Rebberge der Estancia Colomé liegen zwischen 2200 m (in Molinos) und 3015 m (in Payogasta) - die höchsgelegenen Rebberge der Welt
Estancia Colomé; Molinos: Die Rebberge der Estancia Colomé liegen zwischen 2200 m (in Molinos) und 3015 m (in Payogasta) - die höchsgelegenen Rebberge der Welt
Cachi (Dorf an der Strasse 40): Archealogical Museum; Artikel des Steins (apachetas) die die vier regiones darstellen, die "Tawantinsuyu" bildeten; (antiker Incaico Zustand) (automatische Übersetzung)
Strasse Nummer 40 (Ruta 40): Don Pedro "El Tero" Gúzman (Seclantás) ist der berühmteste Weber des Landes; sogar für den Pabst hat er schon einen Poncho hergestellt